
Sicher bringt die Entscheidung auf der Talavera Parkgebühren zu erheben einige Härten mit sich und der Unmut der Pendler:innen, die auf diese Parkplätze angewiesen sind, erscheint auf den ersten Blick nur allzu verständlich und nachvollziehbar. Dennoch ist diese mutige Entscheidung des Würzburger Stadtrats nur richtig und konsequent: Dabei muss gar nicht das hehre Argument des Klimaschutzes bemüht werden. Es genügt allein schon sich die finanziellen Fakten bewusst zu machen: Würde die Stadt Würzburg die Talavera-Parkplätze an einen Immobilieninvestor verkaufen, könnte sie sehr wahrscheinlich eine Summe im unteren zweistelligen Millionenbereich erlösen und sich anschließend über jährliche Grund-, ggf. auch Gewerbesteuereinnahmen freuen. Es ist daher schon finanzpolitisch ein Frevel, auf die hier möglichen Einnahmen zu Verzichten und die Talavera den Autofahrer:innen für lau zu überlassen.
Ein zweites, noch etwas unbequemeres Argument: Es ist einfach Fakt, dass innerhalb Würzburgs schon jetzt alles mit dem ÖPNV erreichbar ist. Es dauert sicher oft wesentlich länger als mit dem eigenen PKW und man muss je nach Wohnlage ein paar Meter zur nächsten Haltestelle laufen. Aber wenn man in Würzburg nicht mitten in der Nacht unterwegs sein muss oder regelmäßig große Lasten zu transportieren hat, ist das eigene Auto eine schöne Bequemlichkeit aber keine dringende Notwendigkeit.
Als letztes scheinbar gewichtiges Argument für kostenlose Parkplätze verbleiben die Einpendler:innen aus dem Landkreis, die dort parken, wenn sie arbeiten gehen oder sonstige Erledigungen in der Stadt zu besorgen haben. Es mag hart klingen, aber der Würzburger Stadtrat ist nicht gewählt, um die Belange dieses Personenkreises zu vertreten. Wenn die Würzburger:innen, bzw. ihre gewählten Repräsentant:innen im Stadtrat, weniger Fahrzeuge in der Stadt haben wollen, dann hat das die Landbevölkerung zu akzeptieren. Es gibt kein Menschenrecht auf kostenlose Parkplätze. Statt auf die „bornierten Grünen“ im Würzburger Stadtrat zu schimpfen, sollten die Einpendler:innen besser ihren Gemeinde- und Kreisrät:innen auf die Füße treten, damit diese sich für einen zügigen und effektiven ÖPNV-Ausbau ins Zeug legen.
Wieso muss den die Straßenbahn schon in der Zellerau enden? Könnte diese nicht über Zell, Margetshöchheim weiter bis nach Erlabrunn führen? Wäre es nicht endlich mal an der Zeit, die schon in den 70er Jahren angedachten Straba-Linien nach Lengfeld und Versbach zu bauen und diese dann gleich nach Estenfeld / Kürnach bzw. Rimpar weiterzuführen?
Würden diese Projekte forciert werden, könnte Beides gelingen: Ein klima-, rad- und fußgänger:innenfreundliches Würzburg einerseits UND schnelle, frustfreie Mobilität zwischen Stadt und Land andererseits.
Der Schrei nach kostenlosen Parkplätzen hingegen ist sehr phantasielos und im doppelten Wortsinne billig!