Um es vorwegzunehmen: Der Rücktritt war aus meiner Sicht nicht nur unvermeidbar, sondern auch gerechtfertigt. Minister:innenposten sind absolute Spitzenjobs, wenn auch nicht von der Bezahlung, so doch von der Verantwortung und vom Ansehen her vergleichbar mit Vorstandspositionen in Großkonzernen.
Auch wenn es hart ist, aber m. E. gibt es in solchen Positionen keine Alternative dazu sein ganzes „restliches“ Leben dem Amt und der Aufgabe unterzuordnen.
Was mich nachdenklich stimmt, es muss doch auch in der grünen Parteispitze Leute gegeben haben, die wussten, dass Anne Spiegel privat sehr beansprucht gewesen ist und auch als Umweltministerin in RLP nicht die aller beste Figur abgegeben hat? Warum wurde ausgerechnet Sie nach Berlin geschickt? Warum gab es in ihrem privaten Umfeld niemand, der sie davon abhalten konnte?
Das sind Fragen, die weit über den konkreten Einzelfall hinaus reichen: Letztendlich geht es darum, wie gewährleistet werden kann, dass Leute, die in solche herausragenden Ämter kommen, diesen dann auch (halbwegs) gewachsen sind.
Kleine persönliche Nebenbemerkung: Durch meine Behinderung, bin ich auch in vielen Situationen langsamer als der Durchschnitt, dementsprechend habe ich meine Ambitionen (beruflich, politisch, privat) auch schon an der ein oder anderen Stelle drosseln müssen; ganz konkret habe ich zum Beispiel 2018 meinen Posten als Beisitzer im Kreisvorstand „hingeschmissen“, weil mein Studium zeitweise unter zu viel „politischen Engagement“ gelitten hat. Ich meine also die Problematik im Groben – aus eigener Anschauung – heraus zu kennen.