In knapp drei Wochen stellt mein ehemaliger und mit mir noch auf mancherlei Weise persönlich gut verbundener Kreisverband Schweinfurt seine Kandidat:innen für die parallel stattfindenden Wahlen zum Land- und Bezirkstag auf. Ich habe meine Bewerbung für eine Kandidatur zum Bezirkstag letztes Wochenende beim dortigen Kreisvorstand eingereicht (vgl. Link).
Wie meinem Bewerbungstext zu entnehmen ist, liegen die Aufgaben des Bezirks vor allem im Bereich des Sozialen und hier vor allen Dingen in der Unterstützung von Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen. Wer mir auf meinen Blog oder auf Facebook folgt, der weiß, dass ich mich für unterschiedlichste politische Themen interessiere und engagiere; Ich bin – zumindest meiner eigenen Wahrnehmung nach – kein klassischer Inklusionsaktivist, der die eigenen Beeinträchtigungen zum Leitmotiv seines politischen Engagements gewählt hat; was wohl vor allem auch damit zu tun hat, dass meine Beeinträchtigungen – verglichen mit dem was andere zu tragen haben – doch relativ gering sind.
Jedoch habe auch ich in den letzten Jahren persönlich merken müssen, dass es einige Situationen gibt, wie etwa die Jobsuche oder aber auch die Suche nach einem WG-Zimmer, bei denen behinderungsbedingte Benachteiligungen vorhanden sind. Viel wichtiger als diese, zumindest partiell vorhandene persönliche Betroffenheit mit dem klassischem Bezirksthema „Inklusion“ ist für mich jedoch die Überzeugung, dass der Mensch, mit all seinen Schwächen und Nöten, Mittelpunkt allen politischen Handels sein muss. Der Bezirkstag, als bayerisches „Sonderkonstrukt“ der kommunalen Selbstverwaltung, ist ein Organ, das hier meist im Stillen und unbeachtet von der großen Medienöffentlichkeit, einen entscheidenden Beitrag leistet, damit Menschen mit Hilfebedarf (egal ob klassischer Rollstuhlfahrer, kognitiv eingeschränkter Mensch (vulgo geistigbehindert), Suchtkranker oder Borderlinerin) nicht gänzlich „hinten runter fallen“. Gerade in wirtschaftlichen Krisenzeiten gilt es deshalb die Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft des Bezirks zu erhalten.
Die politische Ausgangslage für uns GRÜNE bei dieser Bezirkswahl ist im Stimmkreis Schweinfurt denkbar schwierig. Für die SPD tritt der beliebte und auch von mir als sehr kompetent und gewissenhaft eingeschätzte Landrat Florian Töpper an, der sich bei seiner Wiederwahl 2020 mit fulminanten 73,5 % gegen den CSU Herausforderer durchsetzen konnte. Ob der derzeitige Inhaber des Direktmandats Stefan Funk – natürlich ein CSU – Mann – wieder antritt ist meines Wissens noch unklar. Aber auch er sitzt, als langjähriger Schweinfurter Stadtrat, leitender kommunaler Verwaltungsbeamter (u.a. auch viele Jahre in meiner Heimatgemeinde Niederwerrn) und Sportmoderator beim lokalen Radiosender „Primaton“ sehr fest im Sattel. Selbst wenn Herr Funk nicht wieder antreten sollte, wird die CSU einen anderen angesehenen Lokalpolitiker (oder vielleicht sogar eine Lokalpolitikerin), der*die entsprechend Stimmen zieht, finden.
An dieser Stelle will ich nicht verheimlichen, dass ich die Chancen meiner Bewerbung selbst als eher gering einschätze, da bereits eine von mir ebenfalls sehr geschätzte Kreis- und Gemeinderätin angekündigt hat, dass auch sie gerne im Stimmkreis Schweinfurt für die GRÜNEN kandidieren möchte. Jedoch motiviert mich die Tatsache, dass die meisten Bewerber:innen für den Bezirkstag – egal von welcher Partei – fast alle schon zahlreiche politische Ämter und Mandate inne haben, mit meiner Bewerbung ein Angebot zu machen, bei dem ich klar herausstelle, dass ich, sollte ich es denn wirklich in den Bezirkstag schaffen, mich NUR darum kümmern würde und nicht noch hunderte andere Dinge im Kreis- / Gemeinderat oder in irgendwelchen Parteigremien „an der Backe“ hätte.
Ob ich meinem Ziel Bezirksrat zu werden ein Stück näherkommen werde, oder ob es erst mal ein Traum bleibt, wird sich in knapp drei Wochen bei der Aufstellungsversammlung zeigen.