“Mit Zuversicht ins Leben“ Theodor H. Schiebler (2003)

Heute möchte ich meinen Blog zum ersten Mal für eine direkte Buchempfehlung nutzen; Des Öfteren habe ich hier ja schon ausführlich auf Bücher referenziert, um meine politischen Thesen zu untermauern; aber da jetzt Weihnachten ansteht und der eine oder andere aus meiner überschaubaren LeserInnenschaft vielleicht auch noch auf der Suche nach einem (Buch-)Geschenk ist, dachte ich mir ich nutze mal meinen Blog hierfür.
Das Buch, das ich heute empfehlen möchte, sind die Kriegserinnerungen des erst im vergangenen August, in seinem einhundertsten Lebensjahr verstorbenen Würzburger Anatomie Professors Theodor Heinrich Schiebler . Unter dem erstaunlichen Titel „Mit Zuversicht ins Leben“ berichtet der in Berlin aufgewachsene Schiebler, wie er als 17 Jähriger nach seinem Abitur am humanistischen Schiller-Gymnasium zu Wehrmacht einberufen wurde, am Russlandfeldzug teilnahm, ab dem Wintersemester 1942 als Soldat einer Studentenkompanie in Würzburg Medizin studieren durfte, um dann in der Endphase des Krieges wieder in verschiedenen Lazaretten unter widrigsten Bedingungen eingesetzt zu werden.
Die Schilderungen Schieblers stützen sich vor allen Dingen auf Tagebucheinträge und umfangreichen Briefverkehr; hauptsächlich mit seinen Eltern. Was ich an diesem Buch so spannend finde, ist dass es einen interessanten Blick auf die persönlichen Wertvorstellungen und Haltungen der damaligen Zeit -jenseits des unmittelbar Politischen und von der Nazipropaganda Beeinflussten – wirft.
Schieblers Eltern – der Vater war Betriebswirt und während der NS-Zeit kaufmännischer Leiter eines mittelständischen Pharmaunternehmens – waren nicht in der NSDAP und standen dem Regime kritisch gegenüber, dennoch geht es in den abgedruckten Briefen viel um Pflichterfüllung und ums Durchhalten, eher weniger um direkte Kritik am Regime (inwieweit es gefährlich war diese in Briefen zu äußern und dies mein Bild verzerrt, kann ich natürlich nicht einschätzen). Schiebler bilanziert, dass sich auch in den Kriegsjahren „der Widerstand eher im Herzen der Menschen, als in aktiver Form regte“ und verweist darauf, dass selbst nach Beginn der großflächigen Bombenangriffe, die Menschen durchhielten, da weder die Daheimgebliebenen die Soldaten „im Stich lassen“ wollten noch umgekehrt (S.189).
Es sind sehr eindrückliche Schilderungen, eines unglaublich reflektierten Autors, die nicht nur die Widrigkeit und erdrückende Brutalität dieses Menschheitsverbrechens „zweiter Weltkrieg“ deutlich machen, sondern auch den Mut und die Willenskraft eines hochintelligenten jungen Mannes zeigen, trotz der katastrophalen Umstände das Beste aus der eigenen Zukunft zu machen.
Ein beeindruckender Bericht aus einer äußerst grausamen Zeit.
Mit Zuversicht ins Leben : Erinnerungen eines Arztes 1923 – 1945 / Theodor H. Schiebler. Hrsg. von Jürgen Kleindienst ISBN: 3933336368