Erst Ende Mai und schon so plumpes CSU- Wahlgetöse

Auch wenn ich mir eigentlich vorgenommen hatte in der Zeit der Landtags- und Bezirkswahl nur positive politische Kommunikation zu betreiben und mich mit Kritik am politischen Mitbewerber zurückzuhalten, zwingt mich diese populistische und äußerst durchsichtige Aktion der CSU Stadt.Land.Schweinfurt gerade dazu eine Ausnahme zumachen.

Um was geht`s? Es ist wohl in einigen Städten und Gemeinden Brauch gelbe Schleifen an Ortsschilder zu hängen, um die Solidarität der Gemeinde mit der Bundeswehr zum Ausdruck zu bringen. Soweit so gut; leider zeigt Putins brutaler Angriffskrieg gerade, dass ein Staatswesen ohne Militär wohl (noch) nicht möglich ist; weshalb es sicher nötig ist, der Bundeswehr auch moralisch den Rücken zu stärken (natürlich ohne den kritischen Blick, der bei Sicherheitsorganen immer geboten ist, zu verlieren).
Jetzt weiß aber jeder der die Lokalpresse einigermaßen regelmäßig verfolgt, dass der für die Ortsschilder im Landkreis Schweinfurt zuständige Beamter (m/w/d), ein ganz akkurater Typ zu sein scheint, der*die die Gesetze sehr streng auslegt (vgl. Ortsschild Schnackenwerth).

Was hat der CSU – Bürgermeister von Gerolzhofen Thorsten Wozniak nun gemacht? Beim Landratsamt eine formale Anfrage gestellt, ob das Befestigen dieser Schleifen an den Ortsschildern erlaubt sei. Die – ich möchte mal etwas ketzerisch mutmaßen – erwünschte Antwort: „Nein, ist es nicht Orts – und Straßenschilder haben von Plakaten und ähnlichem frei zu bleiben“. Statt jetzt einfach einen anderen Platz zu suchen, an dem diese Schleife ebenfalls öffentlichkeitswirksam, gut sichtbar montiert werden kann (die meisten Gemeinden haben hinter ihren Ortsschildern noch diverse andere Schilder (z.B. vom Gewerbeverein), an denen die Schleife sicher genauso gut hängen könnte) wir jetzt ein riesiges Bohei getrieben. Die zwei regionalen CSU – Landtagskandidatinnen, Martina Gießübel und Barbara Becker, sind natürlich pflichtbewußt auf den Empörungszug mitaufgesprungen: „Landrat Florian Töpper müsse jetzt ein Machtwort sprechen und das Landratsamt aus seinem juristischen Schützengraben rausbringen“.
Ich weiß nicht, ob ich mich wegen solchen plumpen Wahlgetöses aufregen oder einfach nur müde lächeln soll. Letztendlich ist es aber schon traurig, dass eine Partei wie die CSU, die bei aller Kritik, sicher auch viel für dieses Land geleistet hat und in der auch schon sehr schlaue Leute gewirkt haben, solche billigen Aktionen nötig hat. Offenbar soll das Wahlvolk auch von den wirklichen Herausforderungen (Klimawandel, Pflegenotstand, demografischer Wandel etc. pp.) abgelenkt werden.

(Redaktioneller Hinweis: Zuerst veröffentlicht auf meinem Facebook – Profil)

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