Gedanken zu Allerheiligen 2023 

Ihr Freunde Gottes allzugleich 
verherrlicht hoch im Himmelreich 
erfleht am Throne allezeit 
uns Gnade und Barmherzigkeit 
Helft uns in diesem Erdental 
dass wir durch Gottes Gnad und Wahl 
zum Himmel kommen allzumal” 

Diese Liedzeilen, die zu Allerheiligen gehören, wie “Last Christmas” oder “Tochter Zion” zu Weihnachten, gehen mir schon seit einigen Tagen immer wieder durch den Kopf. Mich regen diese Verse aus zweierlei Gründen sehr zum Nachdenken an: 

Erstens erscheint die Anrufung von Heiligen, die Bitte einer höheren Macht als ungewöhnlich und für Viele in unserer säkularen Gesellschaft sicher auch als irrational. 

Zweitens – und das ist wahrscheinmlich noch viel mehr aus der Zeit gefallen –  wird unser Dasein hier als irdisches Tal bezeichnet. 

Im geistigen Zeitalter von Selbstwirksamkeit und Selbstoptimierung, in dem sogar viele christliche Sonntagspredigen eher wie lebenskundliche Ratgebervorträge daherkommen, bei denen der zugrundelegende Bibeltext oft nur noch der kleine Aufhänger am Rand des Gesagten ist, hat die Hoffnung auf das Jenseits wenig Platz. 

Natürlich versuche auch ich im hier und jetzt zu leben, mein Leben gut zu gestalten und möglichst viel Schönes zu genießen. Aber gerade, wenn ich auf den menschenverachtenden Terror der Hamas oder den entsetzlichen Kriegs Putins schaue, ist mir das Bild vom Erdental, das der Dichter Friedrich Spee Anfang des 17. Jahrhunderts (30 jähriger Krieg) hier gezeichnet hat, schon ziemlich nahe. 

Selbst in meiner kleinen Welt, die sich im wohlbehüteten Mittelschichtsmilieu eines reichen und friedlichen Industrielandes abspielt, stoße ich immer wieder an schmerzliche Grenzen, an unerfüllte Wünsche, peinliches Scheitern und auch schlichtweg an eigenes Versagen. Es ist nicht meine Absicht ins Jammern und Trübsal blasen zu verfallen, aber vielleicht ist Allerheiligen tatsächlich eine gute Gelegenheit sich bewusst zu machen, dass alles hier auf Erden endlich ist und das eben auch wir Menschen, egal für wie genial wir uns halten, in dieser Welt nur begrenzte Wesen sind, die irgendwann zu Staub zerfallen. 

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