
„Dankbar für Deutschland (sein)“, dass fällt mir zugegebenermaßen nicht leicht.
Zum einen ist da natürlich die -gesunde- Skepsis gegenüber aller Deutschtümelei, die berechtigte Abneigung gegenüber allem Nationalistischen, die ich persönlich auch durch Erzieher und Lehrer in meiner Internatszeit sehr deutlich mit auf den Weg bekommen habe; zum anderen ist da aber auch das Gefühl, dass vieles in unserm Land in den letzten Jahren nicht mehr so rund läuft: Die wirtschaftliche Produktivität geht zurück, die Leistungsfähigkeit des Staates kommt in vielen Bereichen an ihre Grenzen, gesellschaftliche Milieus driften immer weiter auseinander und radikalisieren sich.
Dennoch: Aller Probleme zum Trotz: Deutschland funktioniert im Großen und Ganzen sehr gut!
Und mit „gut funktionieren“ meine ich nicht nur das rechtsstaatliche Handel von Verwaltung und Justiz, nicht nur die (immer noch) starke Innovationskraft unsere Wirtschaft und unserer Hochschulen, sondern auch und vor allem das, was sich außerhalb des staatlich institutionellen Rahmens abspielt: Die vielen Vereine und Verbände, kirchliche, kulturelle und caritative Initiativen.
Klar, die Lebensqualität und das Lebensgefühl in Deutschland sind nicht überall gleich. Es gibt große Unterschiede zwischen Stadt und Land, Ost, Nord, Süd und West, Boom- und Krisenregionen.
Aber ich behaupte, jeder der körperlich, psychisch und geistig einigermaßen beieinander ist, findet in Deutschland sein Plätzchen (nicht nur im geografischen Sinn) wo er / sie sich einigermaßen wohl und zu Hause fühlt.
Deshalb ist es wichtig, die Nation – und ihren Feiertag – weder denen von Rechts, die sie ideologisch überhöhen wollen, noch denen von ganz Links, die sie abschaffen wollen zu überlassen, sondern auch als Bürger der Mitte zusagen: „Jawoll, ich bin DEUTSCHER. Da muss ich nicht übermäßig stolz drauf sein, aber kann dennoch dankbar sein hier -als Staatsbürger- leben und mitmachen zu dürfen!“