Boris Palmer, eine mobile Rampe und warum auch Inklusion finanzielle Grenzen haben muss

… zumindest in meiner Filterblase:
Boris Palmer weigert sich für 1200€ eine temporäre Rampe, zu einer temporären Bühne aufbauen zu lassen, um dort eine Rolli-Sportlerin ehren zu können (Dauer der Ehrung unter fünf Minuten).

Zwei Anmerkungen hierzu, auch wenn ich damit vermutlich manchen Leuten vor dem Kopf stoße:

  1. Natürlich können auch die (finanziellen) Mittel für Inklusion und Teilhabe nicht unbegrenzt sein. Genauso wie die Mittel für Klimaschutz, innere / äußere Sicherheit, Bildung und was einem sonst noch für hehre Ziele einfallen mögen, nicht unbegrenzt sein können. M.E. ist es da – gerade in Zeiten knapper Kassen – legitim, die eine Person im Rollstuhl VOR der Bühne zu ehren, auch wenn es nicht die optimale Lösung ist; solange die Teilnahme an der restlichen Veranstaltung barrierefrei möglich ist.
  2. DAS STÖRT MICH NOCH MEHR: Hier beklagt sich eine wahrscheinlich – nicht nur – im Vergleich zu anderen Menschen mit Behinderung ziemlich privilegierte Person, über einen Umstand, der nicht schön, vielleicht auch diskriminierend ist, aber letztendlich doch eine Lappalie ist, wenn ich bedenke mit welchen Barrieren andere Leute zu kämpfen haben:
    Ich weis von vielen Leuten mit Einschränkungen, die bis in ihre 30er- im Elternhaus leben, weil barrierefreie Wohnungen – mit und ohne begleitendem Unterstützungsangebote (z.B. Pflegedienst) – fehlen. Leute denen medizinische Untersuchungen verwehrt werden, weil Arztpraxen nicht rollstuhltauglich sind. Leute mit kognitiven (vulgo: geistigen) Behinderungen, bei denen sich die Freizeitgestaltung auf Fernsehen und Konsole beschränkt, weil Betreuungszeiten knapp bemessen sind und auch das sonstige soziale Umfeld sehr klein ist. Wenn jede Benachteiligung gleich schlimm ist, wird es am Ende -fürchte ich- insgesamt zu wenig Verbesserung kommen und höchstens die, die die größten Kampagnen fahren, für sich individuell was rausholen können.

Der Ton gegenüber Menschen mit Behinderung ist – zweifelsohne – in den letzten Jahren an vielen Ecken rauer geworden und ich lese so manchen Kommentar „über die teuren, nutzlosen Behinderten“ der mich schaudern lässt. Aber die Antwort darauf kann nicht sein, dass jede kleine Ungerechtigkeit, jede Barriere zu Menschenrechtsverletzung hochstilisiert wird! Differenzieren, Priorisieren (was ist nicht optimal und was ist wirklich untragbar) und dabei einen kühlen Kopf bewahren, der auch Gegenpositionen zu lässt. Das wünsche ich mir, nicht nur von uns „Menschen mit Behinderung“, sondern von allen Leuten, die am gesellschaftlichen Diskurs teilnehmen.

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